Bei der Entscheidung zwischen den verschiedenen Methoden zur Praxisbewertung müssen verschiedene Aspekte beachtet werden. Hierbei ist einer der wichtigsten der Zweck bzw. Anlass für den diese erstellt wird. Diese können höchstverschieden sein und das geeignetste Verfahren hängt von der jeweiligen Situation ab. Vor einem angestrebten Verkaufsprozess ist es sinnvoll eine objektive Bewertung der Praxis durch einen erfahrenen Transaktionsberater (M&A-Berater) vornehmen zu lassen, um potenzielle Käufer nicht durch unrealistische Preisvorstellungen zu verunsichern.

Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Bewertung einer Arztpraxis ist der Markt. Hierzu zählen die wechselnden Marktbedingungen und Vergleiche mit anderen Praxen. Außerdem sind die Finanzen der Praxis von großer Bedeutung. Das sind beispielsweise die Einnahmen, die Ausgaben und der sich daraus ergebende Gewinn. Auch die Qualität der Räumlichkeiten und der medizinischen Ausrüstung können den Wert der Praxis beeinflussen. Diese Faktoren kommen bei den verschiedenen Methoden zur Praxisbewertung unterschiedlich zum Tragen.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Bewertung einer Arztpraxis ein komplexer Prozess ist und dass es keine exakte Methode gibt, um den Wert einer Praxis zu bestimmen. Stattdessen sind die Verfahren, die zur Bewertung verwendet werden, Annäherungen an den tatsächlichen Wert, die berücksichtigen, wie die Praxis im Vergleich zu anderen vergleichbaren Praxen auf dem Markt abschneidet.

Methoden zur Praxisbewertung im Überblick

Die neue Bundesärztekammermethode:

Die neue Bundesärztekammermethode ist ein spezielles Verfahren, das zur Bewertung von ärztlichen Praxen entwickelt wurde. Dabei berücksichtigt es die spezifischen Eigenschaften von ärztlichen Praxen, wie beispielsweise die Größe, die fachliche Ausrichtung und den Patientenstamm. Dieses Verfahren basiert auf der Annahme, dass der Wert einer Praxis durch die erwarteten zukünftigen Erträge bestimmt wird. Dazu werden zunächst die zukünftigen Erträge geschätzt und dann mit einem geeigneten Kapitalisierungsfaktor multipliziert.

Das Vergleichswertverfahren:

Dem eigenen Namen entsprechend bestimmt sich der Praxiswert bei dieser Methode durch die Referenz anderer, ähnlicher Praxen. Dabei berücksichtigt das Verfahren verschiedene Faktoren wie z.B. die Größe der Praxis, die Patientenstamm, die Art der Praxis (z.B. Allgemeinmedizin oder Facharztpraxis) und die Lage der Praxis. Dann werden die Verkaufspreise dieser Praxen miteinander verglichen und daraus ein Durchschnittspreis errechnet. Dieser Durchschnittspreis dient dann als Vergleichswert für die zu bewertende Praxis. Es ist zu beachten, dass das Vergleichswertverfahren oft nur als grobe Orientierung verwendet wird und es immer Unterschiede in der Qualität und dem Angebot der Praxen geben kann, was das Bewertungsergebnis erheblicht beeinflusst. Die Genauigkeit dieser Methode hängt auch von der Expertise der Erstellenden ab.

Das Multiplikatorverfahren:

Das Multiplikatorverfahren basiert auf der Annahme, dass die Praxisprofitabilität (Einnahmen abzüglich Kosten abzüglich kalkulatorisches Arztgehalt für Partnerärzte) der letzten drei Jahre ebenfalls der zukünftigen Ertragskraft der Praxis entspricht. Das Praxisergebnis wird mit einem fachrichtungsspezifischen Faktor multipliziert. Es gibt unterschiedliche Multiplikatoren, die in Abhängigkeit von der Art der Praxis, dem Patientenstamm, der Lage, etc. variiert werden können. Es gibt allerdings keine festen Regeln für die Wahl des Multiplikators, sondern die Wahl des Multiplikators erfolgt auf Basis von Erfahrungen und Vergleichsdaten aus der Praxis. Dieses Verfahren verwendet man häufig beim Praxisverkauf an eine Drittpartei (bspw. Investoren).